Mostviertler Flusskrebse

Schalentiere wohin das Auge reicht

Flusskrebse – früher ein Volksnahrungsmittel heute eine Rarität. Die Familie Pillgrab bietet in ihrem Gasthof „Zur Linde“ in St. Valentin die köstlichen Krustentiere mit einer raffinierten Zubereitung an.

Im Mostviertel gibt es zwei Arten von Flusskrebsen, den Edelkrebs und den landesfremden „Signalkrebs“. Im Mittelalter wimmelte es in den heimischen Gewässern nur so von Flusskrebsen bis im 19. Jahrhundert die verheerende Krebspest, eingeschleppt von nordamerikanischen Krebsen, die Mostviertler Krebsbestände um ein vielfaches verringerte. Doch seit geraumer Zeit erholt sich die Krebspopulation, auch durch die Aufbereitung kanadischer Flusskrebse.

Eine Delikatesse - St. Valentiner Flusskrebse

Das steigende Vorkommen der heimischen Flusskrebse brachte den einfallsreichen Koch Wolfgang Pillgrab aus St. Valentin auf eine Idee. Heute zählt Pillgrab zu den Ersten, die in der Region Wildfang-Flusskrebse zum Verzehr anbieten. Im hauseigenen Fischteich können verpachtet die Familie nicht nur Fischrechte, sondern züchtet auch den Mostviertler Flusskrebs. Aus dem Fleisch der Tiere verarbeitet der Koch unter anderem Flusskrebs-Ravioli oder kocht aus den leeren Karkassen einen wohlschmeckenden Fischfond.

Überlebenskampf im Teich

Heimisch in den Mostviertler Gewässern: der Flusskrebs. 30 Millionen Jahre war dieser Satz gültig. Auf alten Bildern war der »Ritter der Gewässer“ ein unverzichtbares Detail. Nicht nur aufgrund seiner attraktiven, im buchstäblichen Sinne krebsroten Farbe. Tatsächlich hatte der Krebs in vergangenen Jahrhunderten in unserer Gewässerfauna eine heute kaum mehr vorstellbare Bedeutung – auch als willkommene Bereicherung des mittelalterlichen Speisezettels: Als Fastenspeise lieferte er wertvolles Eiweiß. Deshalb waren auch die Klöster die ersten, die diese Krustentiere gezielt züchteten. Flusskrebse wurden zu einem Volksnahrungsmittel. Noch im 19. Jahrhundert verspeisten die Bewohner von Paris jährlich bis zu zehn Millionen dieser Tiere. Es war nämlich sehr einfach, die Krebse zu erwischen.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich durch die Krebspest das vielfältige Vorkommen rapide. empfindlich gestört. Von Italien ausgehend breitete sich unter den Tieren eine geheimnisvolle Krankheit über ganz Europa aus. Ursache war ein kleiner Spulenpilz.
Heute ist der größte heimische Krebs, der Edelkrebs (Astacus astacus), der bis zu 20 Zentimeter groß und 20 Jahre alt werden kann. Aber dieser wird nicht von Wolfgang Pillgrab und seinen Freunden gefangen oder verspeist. Hier im Mostviertel konzentrieren sich die Fischer auf den Signalkrebs, sobald ein Edelkrebs gefangen wird, was leider selten ist, wird dieser sofort wieder zurück ins Wasser geworfen.

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