8. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz 2015, © weinfranz.at
28.-29. September 2015: „Aufstieg oder Talfahrt? Herausforderungen und Perspektiven für nachhaltigen Tourismus in peripheren Regionen“

8. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz

Am 27. und 28. September war das Mostviertel wieder Treffpunkt und Netzwerkplattform zahlreicher Touristiker, Journalisten und Themeninteressierter. Angelehnt an den thematischen und örtlichen Schwerpunkt der Niederösterreichischen Landesausstellung „ÖTSCHER:REICH – Die Alpen und wir“ standen renommierte Keynotes nationaler und internationaler ExpertInnen am Programm. Hier eine Zusammenfassung.

Prof. Christoph Madl, MAS Geschäftsführer Niederösterreich-Werbung begrüßte die Gäste in Laubenbachmühle mit einem kurzen Rückblick auf acht Jahre Nachhaltigkeitskonferenz, die von Kontinuität, Konzentration auf Schwerpunktbereiche und Novitäten geprägt war und noch immer ist.

Mit der ersten Keynote eröffnete niemand Geringerer als Koryphäe Prof. Werner Bätzing, deutscher Prof. em. für Kulturgeographie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er hielt fest, dass periphere alpine Regionen grundsätzlich durch zwei Extrementwicklungen gekennzeichnet sind: Entvölkerung und Abwanderung oder Urbanisierung und Zersiedelung. Als einzige Ausnahme wies er auf die Ötscherregion hin, die in jüngster Geschichte auch mit Abwanderung konfrontiert war, jedoch durch ihre endogene Entwicklung und kulturelle Identität als Metaebene gesehen wird. Tourismus ist wichtig, aber nicht einziger Begleiter einer darauf aufbauenden gesamthaften Regionalentwicklung.

Mit der Niederösterreichischen Landesausstellung 2015 und ihren drei Standorten wurden bereits im Vorfeld viele Akteure eingebunden und ein tragfähiges Netzwerk gebildet. Damit ist es gelungen „vom Punkt über die Linie in die Fläche“ zu wirken, das heißt, aus einem punktuellen Ereignis schafft man eine dauerhafte, flächenwirksame Regionalentwicklung. Diese Stellungnahme teilt auch Kurt Farasin, Geschäftsführer der Niederösterreichischen Landesausstellung: „Die Landesausstellung verlasse klassische Ausstellungswege und sei eine Chance, die Alpen neu zu entdecken, weil sie ein Naherlebnis bieten. Die Standorte können sich zu einem Basislager der Ostalpen entwickeln.“

Mag. Alexandre Tischer, Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Abteilung Kunst und Kultur, Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, St. Pölten resümierte über die Geschichte der Landesausstellung und dass diese zunehmend den Anspruch verfolgt, an eine nachhaltige regionale Entwicklung anzustoßen. Die Voraussetzungen für das Gelingen seien regionsspezifische Themen und ehrenamtliches Engagement sowie gute regionale und überregionale Partnerschaften.

Im Talk mit Johannes Kaup stellte sich heraus, dass die Niederösterreichische Landesausstellung bei den Akteuren für große Zufriedenheit sorgt und die Erwartungen bis dato erfüllt worden sind. Bereits im Vorfeld wurden Netzwerke gebildet, Ideen kreiert und die Marke „ÖTSCHER:REICH“ geschaffen. In Kombination mit herrschender Aufbruchsstimmung sei auch in Zukunft vieles möglich. Wichtig dabei ist es, die (neuen) qualitätsvollen Infrastrukturen weiter zu beleben, Lust auf Neues zu wecken, authentisch zu sein, nicht nur den Touristen, sondern stets auch den Einheimischen anzusprechen und ihn von den endogenen Werten und Potenzialen zu überzeugen.

Dr.in Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung präsentierte das Schwerpunktthema 2016/2017: Nature reloaded. Die Marke setzt auf ein inspiriertes Angebot und ist sowohl resilient (Ressourcen orientiert und damit widerstandsfähig) als auch agil (auf Themen ausgerichtet, die bewegen). Als Markenwerte unterstrich sie Achtsamkeit, Verbundenheit, Kreativität und Lebensfreude. Wesentliche Begleiter einer erfolgreichen Entwicklung sind Engagement und Kooperationen.

Mit der Himmelstreppe ging es von Laubenbachmühle nach Wienerbruck, wo Leuchtturmprojekte wie das Naturparkzentrum Ötscher-Basis von Mag. Andreas Purt, Geschäftsführer Naturpark Ötscher-Tormäuer, Naturvermittlung im Naturpark Ötscher-Tormäuer von DI Florian Schublach und die Himmelstreppe zum Thema Mobilität von Dr. Gerhard Stindl, Geschäftsführer, NÖVOG, folgten.

Der zweite Konferenztag im Steinschalerhof stand ganz im Zeichen von Praxisbeispielen nationaler und internationaler Touristiker. Unter dem Titel „Blick über den Zaun“ wurden sehr vielfältige, auf völlig unterschiedliche Konzepte und Strategien setzende Beispiele, vorgetragen.

Den Beginn machte die periphere, aber absolut nicht alpine Region Burgenland und die St. Martins Therme & Lodge. Hier ist die Lage im Naturpark Neusiedlersee-Seewinkel das „Kapital“ und bietet ein stimmiges Gesamtkonzept, das abenteuerlich entdeckt werden kann – das Naturerlebnis als Abenteuer für Entdecker.

Kontrovers zu den Ansichten der Befürworter der Niederösterreichischen Landesausstellung zeigte sich die Tourismusregion Montafon, die am Beispiel Gaschurn facettenreiche, ganzheitliche Entwicklungswege darstellte. Hier werden Kraftwerk und Tourismus als Partner erkannt, sportliche Events sind Magneten für Touristen und wertvoll für Einheimische. Mut und Konsequenz sowie Mensch und Zeit sind dort Schlüsselfaktoren für den Erfolg.

Vals in Graubünden will seine periphere Lage auch weiterhin mit sehr mutigen Projekten kompensieren. Zur architektonisch herausragenden Zumthor-Therme, die Vals berühmt gemacht hat, könnte sich in nächster Zukunft ein gigantischer im Hochpreissegment angesiedelter Hotelturm mit weit über 300m Höhe und eine urban anmutende, kunstvolle Parklandschaft, entworfen vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando, gesellen.

Den ausgleichenden Abschluss bildete eine Präsentation des Tiroler Lechtals, wo es gelungen ist, naturnahen Qualitätstourismus mit wirtschaftlichem Erfolg in Einklang zu bringen. Dazu wesentlich beigetragen hat ein rund 120 km-langer Weitwanderweg von der Quelle bis zur Mündung des Lech-Flusses, der durch hochalpines Gelände führt und dennoch einfach zu bewältigen ist.

Veranstaltet wurde die 8. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz von der Niederösterreich-Werbung, dem Mostviertel Tourismus und Club Niederösterreich.

 

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