Skitour mit dem Bürgermeister

Martin Ploderer erzählt über seine Begeisterung für Natur und Sport.

Martin Ploderer ist Bürgermeister von Lunz am See und darüber hinaus überregional politisch tätig. Was er so treibt, und sei es eine Skitour am Maiszinken, erfährt man aus seinem täglichen Blog.

Er bremst vor den Türen des alten Amonhauses ab, schwingt sich vom Sattel und steckt seine Hand zum Gruß in meine. Martin Ploderer, der Bürgermeister von Lunz am See. Auto fährt er im Ort so gut wie nie – da sei das E-Bike viel praktischer. Dann geht es aber doch im Auto zur Talstation des Schlepplifts auf den Maiszinken. Er gilt als Hausberg der Lunzer. Nach dem Absperren versteckt Ploderer den Autoschlüssel in der Nähe des Wagens. Mir wird deutlich, dass ich nicht mehr in Wien bin.

Eingebettet zwischen Wald und Pisten

Wir besteigen den Berg über verschneite Almen. Immer wieder kreuzt unser Weg die Lifttrasse. Es herrscht reger Betrieb auf der Piste des Familien-Skigebiets. Mit seinen zwei Liften kann der Maiszinken natürlich nicht mit riesigen Skischaukeln mithalten, aber das will er auch gar nicht. Er bietet eine einzigartige Atmosphäre, die sich am besten bei einer Skitour einfangen lässt.

Am Maiszinken kann man bei Aufstieg wie Abfahrt in einer tiefen Ruhe schwelgen und sich ganz der Natur hingeben. Die einzigen Geräusche stammen von den Skiern im Schnee und Tieren im Wald. Die Pisten sind schmal. Sie bilden keinen Bruch zum Wald, der sie umgibt. Schon beim Hinsehen kann man sich vorstellen, wie schön es sein muss, hier einen Schwung nach dem anderen den Berg hinunterzusetzen.

Lieber „Bloggen“ als „Liken“

Martin Ploderer ist viel unterwegs, in Gemeinden und auf Bergen. Er teilt seinen Tag mit seiner Gemeinde auf einem Blog. Die Antwort auf die Frage, warum ein Blog und keine Facebook-Seite fällt länger aus. Das Ganze begann vor sechs Jahren. Ploderer befand sich zu dieser Zeit in den Vorbereitungen zum Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters. Der aufkommende Gedanke, dem jüngeren Teil der Bevölkerung auch online zur Verfügung zu stehen, wurde zunächst verworfen. Doch dann bekam Ploderer zu Weihnachten die Domain „lunz2010.at“ geschenkt. Damit nahm der Blog seinen Anfang. Er gefiel und darum gibt es ihn bis heute. Sein Onlinetagebuch war so etwas wie die Unique Selling Proposition Ploderers. Bis heute ist der Blog ein Medium, um die Gemeinde an seinen Projekten und Neuigkeiten teilhaben zu lassen.

Übung macht den Meister – „Selfiekönig“ Martin Ploderer

Ploderer beginnt einen Eintrag meist mit Fotos einer Tour, die den begeisterten Wanderer und Tourengeher selbst sowie das in traumhaft schönes Licht getauchte Bergpanorama der Region zeigen. Es ist ein bisschen wie auf Instagram – doch brauchen diese Bilder keinen Filter.

Das Alpenglühen oder das schneebedeckte Gipfelkreuz des Maiszinkens fotografiert Bürgermeister Ploderer immer selbst. Ein Wanderstock, auf dem der Blogger eine Stativschraube angebracht hat, fungiert als Stativ. Damit sehen die Fotos besser aus als übliche Selfies mit dem halben Arm. Fotografiert er auch sein Essen? „Ich glaube, es interessiert keinen, was ich esse.“

Lunzer See ist genau so tief wie die Kirche hoch ist

Schließlich erwartet uns auf 1.075 Meter Höhe das verschneite Gipfelkreuz. Und die kleine „Bergschänke“. Vor allem jedoch bietet sich ein prächtiger Blick auf den Lunzer See. Auf 70 Hektar Fläche erstreckt sich der einzige natürliche See Niederösterreichs. Mit 34 Metern Tief ist er „genau so tief wie unser Kirchturm hoch“.

Die Gemeinde Lunz am See ist nicht ganz einfach zuzuordnen: Sie stellt das Tor zu den Ybbstaler Alpen dar, gehört allerdings auch zum Mostviertel und seit der Landesausstellung 2015 zum neu geschaffenen ÖTSCHER:REICH. Das hat zur Folge, dass sich Martin Ploderer weniger als Bürgermeister eines kleinen Dores seiht denn als überregionaler wirkender Politiker, der über seinen Ort hinausblickt und stets die Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden sucht.

Momentan schauen wir vom Maiszinken auf das verschneite Lunz am See hinunter. Das ist das Ziel unserer Tour, eines Wintervergnügens mit Bürgermeister.

von Lukas Schöppl

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