Früher Bahnhof, heute Konditorei: Wo Süßes zum Zug kommt!

Im alten Bahnhof in St. Aegyd kredenzt Konditorin und Wahl-Mostviertlerin Anna Oismüller süße Mostviertler Schätze.

Am Traisental-Radweg, in St. Aegyd am Neuwalde hat die gebürtige Bayerin Anna Oismüller (geb. Mahonie) ihre Zelte aufgeschlagen. Der Liebe wegen. Im früheren Bahnwartehäuschen zaubert sie Zuckersüßes – zum Naschen und zum Träumen.

Anna Oismüller ist aus Bayern ins Mostviertel gezogen. In der alten Bahnstation von Sankt Aegyd am Neuwalde hat sie ihren Lebenstraum verwirklicht und ihre „Süßmeisterei“ eingerichtet.

Vor zwanzig Jahren haben hier noch Züge angehalten. Heute rauscht dreimal pro Woche ein Holztransporter durch den aufgelassenen Bahnhof von Sankt Aegyd am Neuwalde. Die alte Bahnstation aus dem Jahr 1890 wurde von Anna Oismüller übernommen und generalsaniert. Sie hat darin ihren Lebenstraum verwirklicht und vor rund einem Jahr die „Süßmeisterei Mahonie“ eröffnet.

Bahnhof wurde Österreichs 1. Süßmeisterei

Seitdem sind unzählige Köstlichkeiten über die Theke gewandert: Torten, Pralinen, Wuchteln, Maroniekuchen, Apfelstrudel, Brandteigschwäne, Wachauer Locken, Waldbeerschnitten, Göllerspitzen. Alles ist von ihr handgemacht, die Zutaten stammen, so weit es geht, aus der Region. Auch arbeitet sie mit Dinkelmehl, da es als bekömmlicher gilt. „Außer bei der Sacher, die wird mir sonst spundig mit dem schwereren Dinkelmehl“.

Anna Oismüller ist seit zehn Jahren im süßen Business. Zuvor hatte die gebürtige Bayerin in Rosenheim eine kleine Konditorei. Jetzt lebt die 53-Jährige im Mostviertel auf dem Bauernhof ihres zukünftigen Mannes Herbert. Er unterstützt sie tatkräftig im Service, jedoch in der Küche ist sie lieber allein.

Liebe ebnete Weg ins Mostviertel

„Wenn ich Torten mach’, schmeiß ich den Herbert aus der Kuchl und leg mir einen guten Jazz auf. Da brauch ich einfach meine Ruhe.“ Vor allem, wenn es um komplizierte Dinge wie Verzierungen geht. „Ich liebe diese feine Handarbeit. Das ist wie Meditation für mich. Ich bin ja recht temperamentvoll, da brauch ich was, das mich runterholt.“

Kür: Brandteigschwan mit offenem Schnabel

Die Meisterin der süßen Küche mag Herausforderungen: „Den Teig kann ich im Schlaf. Doch so feine Blütenblätter ziselieren, das ist eine ganz andere Sache. Ein einziges Blatt in der Natur hat oft bis zu acht Grünschattierungen und eine ganz spezielle Maserung. Das versuche ich nachzumachen.“ Auf ihre Brandteigschwäne ist die Perfektionistin besonders stolz: „Die haben alle einen offenen Schnabel. Das ist halt meine Spielerei“, schmunzelt sie.

Lokal: Guter Geschmack trifft Gastlichkeit

Auch bei der Einrichtung des Bahnhofs stellt sie hohe Ansprüche, mit einem sichtbaren Faible für hübsche Dinge. Das sei schon immer so gewesen, selten habe man sie mit ihren sechs Geschwistern spielen gesehen. „Ich hab mich herumgetrieben, wo es am schönsten war, zwischen Kronleuchtern und Kristallgläsern. Ich hatte meinen eigenen Dickschädl.“

Bei der Führung durch Haus und Garten erzählt sie von ihren Plänen für die Freiluftsaison. Dort neben den Bahngleisen werden die Gartentische gedeckt. Spitzendeckerl dafür hat sie längst gesammelt. Nebenan im Obstgarten ist Selbstbedienung, da gibt es Liegestühle und was zum Spielen für die Kinder. Oder zum Naschen. Heuer möchte sie sogar 14 Eissorten anbieten.

Regionale Delikatesse „Göllerspitz“

Anna taucht einen Göllerspitz in Schokolade. Dieser Gipfel an Genuss besteht aus französischer Trüffelmasse, Rum und Mandeln. Er ist nach dem hiesigen Hausberg Göller benannt und vielleicht deshalb die beliebteste Süßspeise hier. „Die Gegend erinnert mich sehr an meine Heimat. Wenn ich einen harten Tag hab’ und ich fahr rauf in die Berge, da geht mir das Herz auf.“

Gerade kommt Frau Maxi bei der Tür herein. Sie legt sich auf ihren Stammplatz, gleich neben die Theke. Diese stammt aus Leipzig und hat dasselbe Baujahr wie der Bahnhof. Frau Maxi weiß den guten Stil der Hausherrin zu schätzen. Sie macht es sich gemütlich und hält ihre feine Hundenase in die herrlichen Gerüche der Backstube.

von Falter-Redakteurin Heidrun Henke

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