Das Weinland Traisental zählt als eigenes Weinbaugebiet noch zu den jungen Namen in Österreich. Seit 1995 steht es auf der Weinlandkarte für sich, davor gehörte es zum Gebiet „Donauland“. Seine Geschichte beginnt aber nicht auf Gesetzespapier, sondern viel früher: bei wilden Reben, keltischen Trinkgefäßen, römischen Siedlungen und Weinbergen, die schon im Mittelalter in Aufzeichnungen genannt wurden. Mit dem Jahrgang 2006 kam dann die Herkunftsbezeichnung Traisental DAC dazu. Seither dürfen gebietstypischer Grüner Veltliner und Riesling diese Bezeichnung tragen.
Zwischen Donau und St. Pölten wurde früh gesiedelt, gearbeitet und wohl auch getrunken. Der fruchtbare Boden, das milde Klima und die Nähe zum Fluss machten das Tal seit jeher zu einem guten Platz zum Leben. Heute ist das Weinland Traisental damit beides zugleich: ein vergleichsweise junges Weinbaugebiet auf dem Papier und eine Landschaft, in der Wein schon seit Jahrtausenden seine Spuren hinterlässt.
Einer der ältesten Hinweise auf Wein im Traisental stammt aus Franzhausen. Dort wurde in einer bronzezeitlichen Nekropole eine wilde Weinrebe als Grabbeigabe gefunden. Sie gilt als Österreichs ältester Nachweis für das Vorkommen der Wildfrucht Vitis vinifera. Schon um 2000 v. Chr. dürfte diese Rebe im Traisental gewachsen sein.
Auch die Kelten hinterließen Spuren der frühen Weinkultur. Ein Bronzeeimer aus der Zeit um 450 v. Chr. zeigt festliche Trinkszenen und erzählt damit recht anschaulich, dass Wein und gemeinsames Trinken hier schon lange eine Rolle spielten.
Mit den Römern kamen neue Techniken des Weinbaus ins Traisental. Traismauer war damals ein wichtiger Ort am Donaulimes, dem römischen Grenzwall. Das Kastell blieb bis ins 5. Jahrhundert mit Truppen belegt. Wo Menschen lebten, wurde versorgt, gebaut und angebaut. Auch der Weinbau bekam in dieser Zeit neue Impulse.
Im 8. Jahrhundert gehörte das Traisental zum Missionsgebiet des Bistums Salzburg. Schon damals wurden Weinbaugebiete rund um Traismauer, Wagram ob der Traisen und Oberwölbling genannt. Dass die Weinberge in den Aufzeichnungen an erster Stelle standen, zeigt, welchen Stellenwert der Wein im Tal bereits hatte.
Über viele Jahrhunderte blieb der Weinbau ein wichtiger Teil des Lebens im Traisental. Besonders im Donauraum entwickelte sich der Weinbau stark. Nach schwierigen Jahren mit Missernten, Exportverboten und Preissteigerungen ging die Weinproduktion zeitweise zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wuchsen die Weinbauflächen wieder und prägten die Landschaft zunehmend.
Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden viele jener Kellergassen, die das Weinland Traisental bis heute prägen. Sie gehören zu den sichtbaren Spuren dieser langen Weingeschichte. Besonders bekannt sind die Ahrenberger und Eichberger Kellergassen zwischen Sitzenberg-Reidling und Traismauer. Mit 123 Kellern bilden sie die längste ganzjährig bewirtschaftete Kellergasse Niederösterreichs.