Traisen-Gölsental, Ausblick auf die Gemeindealpe, © Mostviertel Tourismus, weinfranz.at

Der römische Palast unter dem Domplatz von St. Pölten

Historische Stätte

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Beschreibung

Der Domplatz von St. Pölten gehört zu den archäologisch bestuntersuchten und daher auch interessantesten Plätzen Niederösterreichs. Die Fundstücke reichen von der Römer- bis in die Neuzeit.
Seit der Erhebung St. Pöltens zur Landeshauptstadt Niederösterreichs im Jahr 1986 kam es – auch aufgrund der verstärkten Bautätigkeit – zu einer deutlichen Zunahme der archäologischen Grabungen. Den Wert der Forschungen für die Stadt unterstreicht auch die Beschäftigung eines eigenen Stadtarchäologen, Dr. Ronald Risy, seit dem Jahr 2010. Er leitete die Ausgrabungen auf dem Domplatz von 2010 bis 2019, bei denen unter anderem etwa 20.000 menschliche Skelette vom Mittelalter bis zum 18. Jh. freigelegt wurden. Diese bilden die weltweit umfangreichste Datenbasis zur Erforschung von Mensch und Umwelt vom Mittelalter bis zur Neuzeit.

Ein Palast aus der Römerzeit
Die Funde vom Domplatz reichen aber noch viel weiter in die Vergangenheit zurück. Denn dort, wo sich heute die Altstadt von St. Pölten erstreckt, befand sich die römische Stadt Aelium Cetium, eine der vermutlich am wenigsten bekannten Römerstädte Niederösterreichs. Bei den großen Ausgrabungen am Domplatz gelang es erstmals, größere zusammenhängende Gebäudekomplexe zu dokumentieren.

Die Grabungsstelle befindet sich in der Nähe des römischen Forums, das wahrscheinlich unter dem Herrenplatz lokalisiert werden kann. Bemerkenswert ist besonders die Entdeckung eines weitläufigen, mehrteiligen Gebäudes aus dem frühen 4. Jh. n. Chr., das über ein einzigartiges Badehaus sowie einen Verwaltungs- und Wohntrakt verfügte. Um 350 n. Chr. wurde die Anlage um einen repräsentativen Saal mit Apsis sowie weitere Räume mit Fußbodenheizung erweitert. Säle mit Apsis dienten der Repräsentation und finden sich üblicherweise in spätantiken Statthalterpalästen oder Kaiserresidenzen. Wie so viele der römischen Prachtbauten wurde auch dieser Palast in nachrömischer Zeit als eine Art Steinbruch verwendet: Die Anlage wurde im 9. Jh. zu einer Kirche umfunktioniert, auch die Nachfolgebauten nutzten römische Bausubstanz.

Hauptstadt auch in der Antike?
Die Entdeckung des römischen Statthalterpalastes ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass Aelium Cetium der lange gesuchte Sitz des Statthalters (praeses) der Provinz Noricum ripense (Ufernorikum) gewesen sein könnte. Die Funde zeigen aber jedenfalls, dass Aelium Cetium in der Spätantike eine viel höhere Bedeutung zukam, als bisher allgemein vermutet wurde.

Tipp: Viele Funde von den Grabungen am Domplatz sind im Stadtmuseum St. Pölten ausgestellt.

Standort & Anreise

  • Kontakt

    Der römische Palast unter dem Domplatz von St. Pölten

    3100 St. Pölten
    AT

    Website: www.st-poelten.at

  • Öffentliche Anreise
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