Das Mostviertel im Auf- und Umschwung

Das Wechselspiel von mild und wild, von Erde und Feuer, prägt das Mostviertel seit Jahrhunderten.

Über Jahrhunderte hinweg verband ein reger Handel das milde und das wilde Mostviertel. Die Bauern aus dem Hügelland versorgten die Hammerherren, Schmiede und Köhler in der Bergwelt mit den Früchten ihrer Erde: mit Most und Proviant. Im Gegenzug erhielten die Bauern beste Eisenwaren.

Seinen Höhepunkt erreichte der Handel im 18./19. Jahrhundert, als Most und Eisen auch weit über die Grenzen des Mostviertels hinaus gefragt waren. Zu jener Zeit entstanden im milden Mostviertel die prächtigen Vierkanthöfe, die Mostviertler Schmiede exportierten ihre Erzeugnisse bis in den Orient.

Die Blütezeit

Der südliche Teil des Mostviertels war Teil der Eisenwurzen im bergigen Dreiländereck Steiermark – Oberösterreich – Niederösterreich. Bis ins 19. Jahrhundert war diese Gegend das österreichische Zentrum der Eisenverarbeitung. Vom Erzberg in der Steiermark kam das Erz in die wald- und wasserreiche Gegend im heutigen Kulturpark Eisenstraße. In zahlreichen Hämmern wurde es zu Eisen verarbeitet. Schmiede formten daraus Messer, Werkzeuge und auch Waffen.

Allein in Waidhofen/Ybbs waren in der Blütezeit 100 Messer-, 60 Klingen- und 26 Zirkelschmiede aktiv und exportierten ihre Erzeugnisse bis nach Venedig und in den Orient. Im 18. Jahrhundert sollen hier jährlich rund 360.000 Sensen und 200.000 Sicheln erzeugt worden sein.

Die neue Zeit

Mit dem Beginn des Industriezeitalters im 19. Jahrhundert endete die Zeit der „Schwarzen Grafen“, wie man die mächtigen Hammerherren nannte. Die neuen Industriebetriebe siedelten sich in der Nähe von Städten oder gleich an wichtigen Verkehrswegen an. Die lange Tradition der Eisenverarbeitung führen einige Mostviertler Unternehmen heute mit Erfolg weiter.

Mit viel Engagement setzten die Mostviertler in den letzten Jahren Hämmer und Schmieden instand und verwandelten die Region um die Eisenstraße in einen spannenden Erlebnis- und Kulturpark.

Im fruchtbaren Land nahe der Donau erleben die Mostbirnen und der Most eine Renaissance. Auch aus Weintrauben, Dirndln, Hagebutten und Elsbeeren entstehen Köstlichkeiten, die sich immer häufiger auch in der gehobenen regionalen Küche wiederfinden.