Ein gesegnetes Land

Die geistliche und kirchliche Entwicklung des Mostviertels im Lauf der Geschichte.

Wer Orte der Ruhe und Kontemplation sucht, findet im Mostviertel zahlreiche. In der Natur. In den außergewöhnlichen Stiften und Kirchen. Oder beim Pilgern, das im Mostviertel eine lange Tradition hat.

Die Geschichte des Mostviertels ist eng mit Bayern – besonders mit den Bischöfen von Freising und Passau – und frühen Kirchen- und Klostergründungen verknüpft. Zu den ältesten Stiftsgründungen zählen Ardagger (1049), Seitenstetten (1109), Herzogenburg (1112) und Lilienfeld (1202).

Im 14. Jahrhundert wurden bestehende Ortschaften ausgebaut, eine Reihe von gotischen Kirchen entstand. 1326 ist das Gründungsjahr der Kartause Gaming, zu jener Zeit eines der am reichsten ausgestatteten Klöster Österreichs.

Reform und Gegenreformation

Das 16. Jahrhundert brachte die Reformation und die Gegenreformation mit sich. Ab 1530 kommt die Bautätigkeit der Kirchen nahezu zum Erliegen. Die weltliche Architektur nimmt einen Aufschwung, und zwar im Stil der aus Italien kommenden Renaissance. Bedeutendste Schöpfung dieser Epoche ist das Renaissanceschloss Schallaburg.
Typisch für jene Zeit sind auch die mit aufwändigen Sgraffitomalereien geschmückten Wohnhäuser, wie sie heute noch in Lunz am See oder in Waidhofen/Ybbs zu sehen sind.

Um die Rekatholisierung zu festigen, entstanden im ganzen Land neue Wallfahrtswege und Wallfahrtsorte – oder bestehende wurden reaktiviert. Die Bedeutung der Via Sacra, des heute ältesten Pilgerwegs Österreichs, geht auf jene Zeit zurück. Die Via Sacra führt von Wien über das Mostviertel nach Mariazell.

Prachtvoll barock

In der Barockzeit (17. und 18. Jahrhundert) nahm die Kirche ihre Bautätigkeit wieder auf. Eine Reihe von Großbauten entstanden, viele Kirchen und Klöster wurden barockisiert. Der bekannte Baumeister Jakob Prandtauer gestaltete unter anderem Stift Seitenstetten neu und auch die Wallfahrtskirche am Sonntagberg, im 18. Jahrhundert eines der bekanntesten Wallfahrtsziele in Niederösterreich.

Pilgern: Vom Verbot zur Renaissance

Kaiser Joseph II (1741 - 1790) machte der religiösen Bewegung ein Ende. Er verbot Wallfahrten, unter seiner Herrschaft verlor das Bistum Passau seinen Einfluss zur Gänze. Das Mostviertel wurde Teil der neuen Diözese mit Bischofssitz in St. Pölten. Zahlreiche Klöster wurden geschlossen, dafür wurde das Pfarrnetz verdichtet - jeder sollte die Möglichkeit haben, innerhalb einer Stunde eine Pfarrkirche zu erreichen.

Pilgern hat im Mostviertel nie ganz an Bedeutung verloren. Und seit einigen Jahren erlebt das Pilgern eine Renaissance. Die Pilgerwege und Wallfahrtsorte im Mostviertel erfreuen sich zahlreicher Besucher, die aus den unterschiedlichsten Gründen in Ruhe durchs Land ziehen.